Die desaströse Geschichte vom Schäferhuhn

Es war einmal ein Schäferhuhn. Also eigentlich war es kein echtes Schäferhuhn, sondern nur ein Huhn welches sich fatalerweise einbildete ein Schäferhuhn zu sein.

Schizophrenie unter Hühnern ist nicht nur sinnloses Gegacker, sondern ein ernstes Thema. Erst letztens gab es einen Fall auf einem Bauernhof in Australien, wo sich ein handelsüblicher Hahn ständig neben dem Waschbecken aufhielt und einen Wasserhahn perfekt imitierte. Der Bauer bemerkte erst nach drei Jahren das merkwürdige Verhalten seiner Badarmatur, nachdem er sich bei seinem Nachbar erkundigt hatte, ob sein Wasserhahn ihn auch jeden Morgen um dieselbe Zeit weckte.

Nun aber zurück zum Schäferhuhn: Es begab sich an einem sonnigen Montag als das Schäferhuhn das Licht der Welt erblickte. Es erblickte aber nicht nur das Licht der Welt, sondern leider auch eine Schäferhündin und bedingt durch die geradezu verschwindend geringe Huhnintelligenz, nahm das Schäferhuhn an, die Schäferhündin sei seine Mutter und wich ihr ab sofort nicht mehr von der Seite.

Natürlich hätte die Sache auch gut gehen können. Schäferhuhn und –hündin ein unschlagbares Team, vereint im Kampf gegen die Artendifferenz. Doch es kam alles ganz anders:

Es fing beim Bellen an: Das Schäferhuhn übte stundenlang, doch es kam nur ein helles Gackern aus der Kehle. Dann musste es ständig seinen Kopf wie ein dämlicher Wackeldackel bewegen, weil das epileptische Wackeln des Kopfes das räumliche Sehen ermöglichte. Desweiteren trennten das Schäferhuhn ein wedelbarer Schwanz, 2 Beine, 3 Milliarden Hundehaare und mindestens 243 Gramm Gehirn vom perfekten Schäferhundedasein.

Trotz dieser Fakten gab das Schäferhuhn nicht auf. Es versuchte sich anzupassen und sich in den harten Schäferhundealltag zu integrieren.

Ein erster Erfolg stellte sich ein, als das Schäferhuhn den Briefträger in die Eier biss und ihn somit vom Hof jagte. Dieser Vorfall offenbarte einen riesigen Vorteil des Schäferhuhns gegenüber den anderen Schäferhunden. Das Schäferhuhn mochte äußerlich wie ein harmloses Huhn aussehen, innerlich war es aber ein hundsgemeines Schäferhuhn, Schnabel fletschend zur äußersten Bissigkeit entschlossen und konnte somit den hundebisserfahrenen Briefträger austricksen. Es war quasi eine moderne Wolf im Schafspelz Variante, doch wir nennen es der Form halber Schäferhuhn im Huhnfederkleid Variante.

Die steil, wie eine Hühnerleiter, ansteigende Bisserfolgsquote, des Schäferhuhns blieb nicht lange unentdeckt und stieß zunehmend auf den Respekt der anderen Schäferhunde des Bauerhofs. Es hatte sich einen Platz im Rudel ergackert äh ergattert und verteidigte diesen Platz durch immer mehr Bissüberfälle auf Menschen.

An guten Tagen erwischte das Schäferhuhn 5 Menschen doch die guten Tage wurden immer seltener. Es hatte sich unter den Menschen herumgesprochen, dass auf dem Bauernhof des Schäferhuhns ein gefährliches Huhn hausen sollte und es musste immer größere Strecken zurücklegen, damit die Bissstatistik keinem drastischem Einbruch zum Opfer fiel. Das Schäferhuhn hatte sich zu sehr auf das Beißen konzentriert, weil es das einzige war, was es gut konnte. Es konnte nicht mit einem Schwanz wedeln, lustig mit den Ohren wackeln, kein Bellen und Jaulen war ihm möglich. Es konnte nur beißen und das so gut, dass es irgendwann von den Menschen eingesperrt werden musste.

Im Käfig zwischen traumatisierten Legehennen haust das Schäferhuhn nun und wenn es nicht gestorben ist, dann wird es sicherlich bald passieren.

3 Antworten zu Die desaströse Geschichte vom Schäferhuhn

  1. Ha, ich glaube es nicht, der Herr GEZ. :)
    Ich bin erfreut, zu sehen, dass Sie wieder bloggen.
    Ich tu es auch wieder, aber auf etwas andere Weise als zuvor.^^ Weniger Frank Furz und mehr so…ja mehr halt. Um es mit Horst Schlämmer zu sagen: “Es muss alles mehr sein.”

    Liebe Grüße aus Marburg.
    (Leider habe ich noch immer kein Zwischennetz in meiner nicht mehr ganz so neuen Bude, allerdings komme ich trotzdem auflinie, und dann werde ich sicherlich das ein ums andere Mal vorbeischauen.)

    • dergeschichtenerzaehler sagt:

      Wieder bloggen? Na ja eher sehr selten und nicht alle 2 Tage, wie früher.

      Ich muss mal wieder auf Tour gehen und die neuen Texte vor Publikum ausprobieren. :) Bevor die hier ungehört verstauben…

      • Die Tour müsste dich freilich entweder nach Marburg oder nach Frankfurt führen. Dann wäre ich durchaus hocherfreut. Und im Übrigen bin ich wieder über dein Twitter-Profil gestolpert. Du bist ja eine regelrechte Berühmtheit dort in der Zwitscher-Gemeinschaft oder Community, wie es im Neudeutsch heißt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.